Schloss Eberstein - Genshagen bei Berlin
Schloss Eberstein - Genshagen bei Berlin
Schloss Eberstein bei Baden Baden
Schloss Eberstein bei Baden-Baden
Wappen der von Ebersteins

Zeitplan der Geschichte des ehemaligen Rittergutes Genshagen und seiner Besitzer, der von Ebersteins, bis zur Enteignung 1948

Ende des 15. Jahrhunderts stirbt die in Zossen lebende Familie von Torgow, die bis dahin die Rittergutsbesitzungen in Genshagen verwaltete, aus. Der damalige Kurfürst verpachtet 1499 die zwei Rittergüter an die Familien von Ottenstedt und Zicken.

1624 Die Familie von Ottenstedt übernimmt sämtliche Besitzungen, die zum Gut Genshagen zusammengeführt sind.

1655Die Familie von Hake (Hacke) kauft Gut und zugehörende Ländereien.

1700 Von Hakes bauen ein Herrenhaus, das später bis zur Enteignung 1948 als "Inspektorhaus" bekannt wurde.

1781 Ludwig Friedrich von Hake vereinigt die Besitzungen und erweitert damit das Gut auf eine Größe von 6.300 Morgen.

1790 - 1819 L. F. von Hake ist Landrat des Kreises Teltow. Im Hake'schen Herrenhaus wird das Landratsamt eingerichtet.

1838 Der Königlich-Preußische Geheime Justizrat Karl Ferdinand Schulz inspiziert in seiner Funktion als hoher preußischer Beamter Güter in der Mark Brandenburg, vorwiegend königliche Domä¤nen, um den Zustand dieser landwirtschaftlichen Betriebe nach Ende der Kriege des napoleonischen Zeitalters zu eruieren. In Folge solcher Inspektionen kauft er für den eigenen Besitz den Gutsbesitz in Genshagen mit einer Größe von 7.492 Morgen für 90.000 Taler. Dies wird betont erwähnt, da anlässlich der Beisetzung der Urne des letzten im Schloss Genshagen lebenden Mitglieds der Familie von Eberstein, der Rauthgundis Baronin von Eberstein, ein Artikel in einer Brandenburgischen Zeitung erschien, in dem behauptet wurde, daß das Gut Genshagen nur durch "Bauernlegen oder Raubzüge" in den Besitz der Familie von Eberstein gelangte. Karl Ferdinand Schulz heiratet am 26.05.1822 Pauline Lohde. Aus dieser Ehe gehen 4 Kinder hervor. Das dritte Kind war Friederike Pauline Schulz, geb. am 21.09.1830 in Berlin.

1839 Auf dem Gutshof in Genshagen wird eine Brennerei errichtet, die noch 116 Jahre später, nämlich bis Kriegsende 1945, Brennspiritus erzeugt. Rohstoff dazu ist die Kartoffel, die auf dem Boden der "Märkischen Streusandbüchse" vorzüglich wächst. Ausgangsprodukt zur Herstellung von Spiritus aus der Kartoffel ist die Stärke, die ihrerseits durch chemische Prozesse in Zucker und weiter in Alkohol verwandelt werden kann. Die Errichtung der Brennerei gestattet durch entsprechende Einnahmen, die Verschuldung des landwirtschaftlichen Gutes abzubauen.

1854 Am 3. September heiratet die Tochter von Karl Ferdinand Schulz, Pauline Schulz, den am 19.07.1830 in Berlin geborenen Leutnant Max Freiherr von Eberstein.
Die Ebersteins waren nicht in der Mark Brandenburg ansässig, sondern stammten aus der Rhön und hatten ihre Besitzungen in der Gegend um Fulda, wo die Überreste der Burg Eberstein bei Hilders noch zu finden sind. Das Stammhaus der Ebersteins findet sich im Badischen, wo bei Baden-Baden die Burg Eberstein liegt. Während der Badener Zweig den Grafentitel bis in die Neuzeit führte, hat sich die Tradition (der von Ebersteins in der Rhön) von der Abstammung von den Grafen mit dem Zusatz erhalten, daß ein Eberstein in Franken einen Fluch auf den Grafentitel gelegt und auf einem Altar geschworen habe, daß niemand seiner Nachkommen von der "gräflichen Qualität" Gebrauch machen solle. Die in der Rhön ansässig gewesenen Ebersteins tauchten erstmalig in vom Abt von Fulda erwähnten Urkunden im Jahre 1116 auf.
Zur damaligen Zeit war Deutschland in Bezirke oder Gaue, und zwar Groß- und Untergaue eingeteilt, in welchen der König seine Hoheitsrechte (Heer- und Gerichtszwang) durch Grafen ausüben ließ. Der Titel "Baron" ist in Deutschland die Anrede für den "Freiherrn", dessen Frau "Freifrau" ist und als Baronin angeredet wird, die Tochter ist die "Freiin" oder das "Freifräulein" und wird mit Baronesse angeredet.
Der Titel "Freiherr" wurde im frühen Mittelalter und später denjenigen verliehen, die "Reichsfreiheit" und "Unmittelbarkeit" genossen. Diese Freiherren waren frei jeder Zwänge des Reiches. Sie waren Mitglieder reichsfreier Ritter-Cantone, hatten von jeher ihre steuerbaren Güter, wurden auf Ritterkonvente geladen und hatten dort Sitz und Stimme.

1869 Am 20.02.1869 wird Leberecht von Eberstein als spätes und einziges Kind des Max von Eberstein und seiner Ehefrau Pauline geboren. Leberecht von Eberstein wird der letzte rechtmäßige Besitzers des Gutes Genshagen mit einer von ihm übernommenen Größe in Höhe von 7492 Morgen werden.

1872 Der Vater von Pauline von Eberstein, der Geheime Justizrat Karl Ferdinand Schulz, vererbt seiner Tochter das Gut Genshagen.

1878 Pauline von Eberstein, Besitzerin des Gutes Genshagen und ihr Mann, General Max von Eberstein, beschließen ein neues Wohnhaus zu errichten. Bis dahin war das alte, im Jahre 1700 von den von Hakes erbaute Herrenhaus, das spätere Inspektorhaus, Haus und Heim der von Ebersteins in Genshagen. Die Finanzierung des Neubaus wird zum Teil von den Eltern von Pauline von Eberstein übernommen.
Am 1. November 1878 beginnt die Fundamentierung des Neubaus.

1879 Am 31.Mai 1879 erfolgt die Grundsteinlegung.

1880 In diesem Jahr erfolgt die Fertigstellung des einstöckigen Landhauses mit Freitreppe und Balkon, der den feudalen Eingang überdacht. Pauline von Eberstein läßt vor dem Haus Gartenanlagen herrichten, die das neue Gutshaus in Richtung Gutshof auch durch eine Mauer trennt und das alte von Hake'sche Haus außerhalb des neuen Wohnhausgeländes beläßt. Hinter dem neuen Haus wird ein Park angelegt, dessen unmittelbar an das neue Haus grenzender Teil gartenarchitektonisch gestaltet wird. Dieser Teil des Parkes geht dann in einen Landschaftspark über, der einen See mit Bootshaus und zwei Inseln beinhaltet. Außerdem wird Jahre später ein Palmenhaus und noch später ein Gewächshaus errichtet, deren Finanzierung durch den einmaligen Besuch des Leberecht von Eberstein, und seiner Ehefrau Sophie, in einem Spielcasino, nämlich dem von Monte Carlo, möglich wurde. Leberecht von Eberstein fügte sich dem Bitten und Drängen seiner Frau Sophie auf Besuch des Spielcasinos und fand sich widerwillig bereit, einen geringen Betrag "zum Verspielen" einzusetzen. Nach einer halben Stunde hatte er 20.000 Goldmark gewonnen, verließ den Spielsaal, betrat nie wieder ein Spielcasino und baute von dem Gewinn die bezeichneten Gewächshäuser.
Palmen- und Gewächshaus wurden 1956 abgerissen.

1882 Schloß Genshagen gelangt als spätes Hochzeitsgeschenk der Eltern von Pauline von Eberstein über diese, die Eltern von Pauline, in den Besitz der von Ebersteins.

1885 Ernst von Stubenrauch, geb. am 19. Juli 1853 in Sagan, wird Landrat des Kreises Teltow, der zu dieser Zeit 165.000 Einwohner hat, und in welchem die Ortschaft Genshagen liegt. Von Stubenrauch heiratet 1890 die Baronesse Frieda von Eberstein, Kusine Leberecht von Ebersteins. Landrat von Stubenrauch lebte seit 1891 bis zu seinem Tode zu verschiedenen Zeiten mit seiner Frau Frieda in Genshagen im Schloß. Stubenrauchs oberster Dienstherr - seit 1888 Kaiser Wilhelm II - wußte seinen Landrat zu schätzen. Am 1. Januar 1900 wurde Stubenrauch in den erblichen Adelsstand erhoben. Stubenrauchs Meriten als Landrat dokumentieren sich in folgenden Leistungen: Er kümmerte sich um die Verbindungsstraßen aus dem Kreis Teltow nach Berlin und erweiterte das Chausseenetz drastisch. Z.B. ließ er die heutige Grunewaldstraße anlegen, da die Wilmersdorfer Bauern ihre Milch vorher wegen der schlechten Wegeverhältnisse nicht nach Berlin bringen konnten. Das Landratsamt wird im März 1871 von der Teltower Ritterstraße nach Berlin in die Matthäuskirchstraße verlegt. Umzugskosten 151 Taler und 20 Groschen. Der Bau des Teltow-Kanals wird in den Jahren 1901-1906 realisiert. Der 38 km lange Wasserweg verbindet die Havel bei Potsdam und die Spree bei Treptow. Alle Brücken des Teltow-Kanals werden gegen Ende des 2. Weltkrieges im April 1945, als Teil des Programms "Verbrannte Erde", gesprengt. Zum 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I läßt von Stubenrauch den Grunewaldturm, gegenüber von Gatow, an der Havel errichten. Der Turm soll weithin sichtbar an die Verdienste des Hauses Hohenzollern erinnern.
1908 wird Ernst von Stubenrauch Berliner Polizeipräsident. Ein Jahr später, am 4. Sep-tember 1908 stirbt der beliebte und populäre Politiker an den Folgen von Kehlkopfkrebs. Die Trauerfeier in Berlin und der Zug der Teilnehmenden von dort über Tempelhof, Großbeeren nach Genshagen gleicht einer Völkerwanderung, schrieb ein Chronist jener Tage. Von Stubenrauch ist gegenüber dem Eberstein'schen Familiengrab auf dem Friedhof in Genshagen, gegenüber vom Schloß, bestattet.

1889 Generalmajor Max von Eberstein stirbt am 25. September in Genshagen und wird auf dem Dorffriedhof bestattet.

1892 Am 19. Oktober 1892 heiratet Leberecht von Eberstein die am 12.12.1874 in Hannover geborene Sophie von Boetticher, Tochter des Heinrich von Boetticher, Kgl. Preußischer Staatsminister unter Bismarck, dessen Vertreter und Erfinder der ersten in einem Industriestaat eingeführten Sozialgesetze. Die Mutter der Sophie von Boetticher war eine geborene Berg. Aus der Ehe des Leberecht von Eberstein und seiner Ehefrau Sophie gehen 3 Kinder hervor: Max, Rauthgundis und Wendelgard. Die sehr seltenen Vornamen beider Töchter sind geschichtlichen Ursprungs. Rauthgundis von Eberstein schreibt dazu in ihren Memoiren:
"Als meine Mutter mich erwartete, hatte sie offenbar das Buch: "Ein Kampf um Rom", von Felix Dahn, gelesen, in dem die Frau des Goten-Königs Wittichis den Namen Rauthgundis trägt." Der Name Wendelgard taucht erstmals in der Geschichte um 910 A.D. als Wendelgard Gräfin von Eberstein, einer Enkelin Kaiser Heinrich I.(des Voglers), auf. Die Ebersteins nahmen an den Kreuzzügen teil, wo sie, wie ein bedeutender Teil der katholischen Adligen Mitteleuropas ebenfalls, nicht nur Jerusalem von den "Ungläubigen" befreien wollten, sondern auch intensiv nach Reliquien der Geburtszeit des christlichen Glaubens oder auch nach dem "Heiligen Gral" suchten. Für weitere Infos klicken Sie bitte auf: www.schloss-eberstein-genshagen.de

1910 - 1912 Das Schloß wird aufgestockt und erhält ein Obergeschoß und ein ausgebautes Mansardengeschoss. Gleichzeitig wird ein Turm, passend im neugotischen Stil, mit großer Uhr und weit über den Hof hinaus zu hörendem Geläut auf den Giebel des Hauses aufgesetzt.

1912 Am 14. Mai 1914 heiratet Wendelgard Freiin von Eberstein in Genshagen den Freiherrn Anton von Rotenhan aus München.

1921 Am 21.11.1921 heiratet Rauthgundis Freiin von Eberstein gegen den Willen der Eltern den Bürgerlichen Franz Bachmann. Eine Heirat in Genshagen im Schloß wurde elterlicherseits nicht gestattet.

1922 Wendelgards Mann, Anton Freiherr von Rotenhan kommt mit TBC aus dem Krieg aus Rußland zurück und stirbt an dieser Krankheit. Wendelgard kann den Tod ihres Mannes nicht verkraften und erschießt sich am 11.03.1922 in der Bornemate bei Ludwigsfelde anläßlich eines abendlichen Pirschganges mit ihrem Schwager, dem Oberleutnant z.S. Franz Bachmann und dem Eleven Hans von der Hagen.

1933 Die Familie von Eberstein zieht vor Wintersbeginn in das alte Inspektorhaus zurück. Die finanzielle Situation zwingt zur sparsamsten Lebensführung. Das Inspektorhaus, das alte Hake'sche Wohnhaus, wird überholt und revitalisiert.

21.04.1945 Die Familie von Eberstein wird von der SS, die das Schloss Eberstein in Genshagen besetzt hat, des Hauses verwiesen und Tritt die Flucht nach Schleswig-Holsten an.
Stand: 20.04.2010